Die Pfarrscheune

Lüsslingens Pfarrscheune

Seit Jahrzehnten stand sie leer und bedeutungslos an der Strasse, die Pfarrscheune. Längst war der Pfarrer von Lüsslingen nicht auch noch Landwirt, welcher seine Kühe, sein Heu und alle notwendigen Gerätschaften in der Pfarrscheune zu versorgen hatte.
Der Hausspruch der Pfarrscheune lautet:
„Durch Menschen Guld und Gottes Krafft
Hat Hans Rudolff Schädelin
Zimmer Meister von Lengnaw die Scheür gemacht
den 30ten Wein Monet Anno 1769ten Jahr“

Die Kirchgemeinde hatte für den Doppelstall mit der grossen Einfahrt keine Verwendung und so dämmerte er vor sich hin, bis erneut seine Stunde schlug.

Das 750-Jahr-Jubiläum bewegt

Im Rahmen der Vorbereitung des 750-Jahr-Jubiläums fand mit allen Interessierten ein Workshop statt. Dabei hat die Bevölkerung angeregt, die seit langem ungenutzte Pfarrscheune aufzuwerten. Die weiteren Abklärungen des Gemeinderates führten zu einem interessanten Projekt, welches ganz verschiedene Zielsetzungen aufwies.
Zuerst wurden mit dem Ausbau der Pfarrscheune die der Kirch- und Einwohnergemeinde fehlenden Sitzungsräume geschaffen.

Pfarrscheune Orientierung

Nun können in der Pfarrscheune die Versammlungen des Gemeinderats sowie die Kirchgemeinde- und Gemeindeversammlungen abgehalten werden. Die bisher dafür genutzten Räume in der Schule werden wieder für schulische Zwecke frei.
Sodann werden die Möglichkeiten der Mehrzweckhalle ideal ergänzt, indem nun gemütliche Räumlichkeiten für kleinere Anlässe von 50 bis 100 Personen zur Verfügung stehen. Gerade für die Vereine wird dies attraktiv sein, da es die Vorbereitung und Durchführung der Anlässe vereinfacht.
Die Kirchgemeinde erhält einen stattlichen Religionsraum, den sie nach ihren Bedürfnissen gestalten und nutzen kann.

Gemeinsam geht’s

Um die erkannten Anforderungen zu verwirklichen, arbeiteten die Kirch- und die Einwohnergemeinde eng zusammen. Die Kirchgemeinde stellte das Haus im Baurecht zur Verfügung und die Einwohnergemeinde übernahm den Umbau und den Betrieb. Die Bevölkerung nahm das durch ein Modell und Pläne vorgestellte Projekt wohlwollend auf und stimmte seiner Ausführung zu.

Gemeindeversammlung 2000

Zur Finanzierung sprach die Einwohnergemeindeversammlung vom 20. Mai 2000 einen Kredit von Fr. 1.5 Mio, die Kirchgemeinde einen Beitrag von Fr. 150'000. Einzelne Vorhaben wurden mit namhaften Beträgen von Sponsoren unterstützt.
Durch die Realisierung des Umbaus konnte die Pfarrscheune als Baudenkmal erhalten bleiben und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Die Kantonale Denkmalpflege hat die Gemeinde in der Planung und Durchführung auch mit Rat und Tat begleitet.

Ein Haus im Haus...

Allen war klar, dass die bestehende Bausubstanz der Pfarrscheune möglichst erhalten bleiben muss. Schliesslich hat Lüsslingen ein Ortsbild von nationaler Bedeutung, welches gerade durch seinen Kirchenbezirk gekrönt wird.
Im Auftrag von Architekt Guido Kummer hat der Bauleiter Jürg Schädelin zusammen mit den Handwerkern ein Haus im Haus geplant und auch gebaut. Daher sieht man heute von Innen und Aussen das alte Mauerwerk und die Zimmermannsarbeit von 1769 und muss dennoch nicht auf den gewohnten Komfort verzichten. Im Trockenen und im Warmen kann man sich die Zeit nehmen und am Gebäude die Zeit ablesen. Für die Handwerker war die Baustelle eine Herausforderung. So sorgte bereits der Aushub des Kellers für Schwierigkeiten, steht die Pfarrscheune doch recht eigentlich auf einer Kiesgrube, in welche sehr sorgfältig gegraben werden musste. Dann wurde der vor mehr als 200 Jahren errichtete Bau beim Innenausbau zur Herausforderung, da er an den meisten Stellen nach individuellen Anpassungen verlangte.

... und ein Lustgarten

Einer neuen Nutzung wurde auch der neben Pfarrscheune liegende Pfarrgarten zugeführt. Auf dem grossen Platz aus Schotterrasen werden zukünftig sechs Bäume für Schatten sorgen, so dass im Sommer auch im Freien schöne Feste gefeiert werden können.
Das Benutzungsreglement sieht vor, dass die Kirch- und Einwohnergemeinde die Pfarrscheune gleichberechtigt nutzen und dass Vereine von Lüsslingen und Nennigkofen alle Möglichkeiten je nach Anlass gratis oder gegen Entgelt benutzen können. Aber auch Privaten stehen die Räumlichkeiten gegen Entgelt zur Verfügung, so dass grössere Familienfeste und Klassentreffen in einem geschichtsträchtigen und gediegenen Rahmen stattfinden können.

Die feierliche Eröffnung

Das Geschenk, welches sich die Bevölkerung zum Jubiläum gemacht hat, wird am 26. Januar 2002 feierlich eingeweiht werden, womit die 750-Jahr Feierlichkeiten auch ihren Abschluss finden. Was die Gemeinde alles erarbeitet hat, angefangen beim Dorfbuch, dem Kohlemeiler, dem unvergesslichen Dorffest bis hin zur Renovation der alten Pfarrscheune gereicht ihr zum Ruhme und zur Ehre und darf anderen zum Beispiel werden.

 

© Gemeinde Lüsslingen